Ein Bericht von Skipper Rolf, 1998, an seine Freunde und Törngäste,
Segelschülerinnen und – Schüler und die es noch werden. (Lebensfreude)

 

Der Golfkrieg und der nachfolgende Balkankrieg waren eine Gelegenheit, einige andere Reviere zu erkunden, was die einen meiner Stammgäste sehr gut honorierten, andere wiederum haben die dalmatinischen Inseln doch sehr vermisst. Letzteres versteht nur wer schon mal in Dalmatien war.

Der Golf von Genua, Elba, der Pontinische Archipel mit Capri, Korsika, Sardinien, der liparische Archipel mit Stromboli – Lipari und Vulcano, Sizilien, Calabria, die Türkei und das Marmarameer, die Aegäis und ganz Griechenland mit dem Korinth-Kanal, die gesamte Ostküste Italiens bis hinauf nach Venedig, - all das kann Dalmatien nicht nicht aufwiegen und doch werde ich all das bei gegebener Zeit wiederholen.

Wir haben unsere Erfahrungen mit türkischer Pfusch-Werftarbeit im Trio-pack und der absolut perfekten Präzisionsarbeit griechischer Handwerker gemacht, was letzteres meine früher einmal erworbene Abneigung gegen die Griechen mehr als kompensiert hat. Auch eine für beide Parteien glimpflich abgelaufene Kollision mit einem Wal und gleich zweimal eine Trosse in der Schraube mit von den Silentblocks weggerissenem Motor, hat niemals eine ernste Gefahr für Schiff und Crew gebracht. Also kann ich noch immer auf über 35-jährige Unfallfreiheit zurückschauen – natürlich werde ich alles daran setzen, dass es AUCH SO BLEIBT.

Wir haben uns über viele Delphinbegleitungen gefreut und sogar eine grosse Schule Schweinswale bei Stromoli erlebt. Mit einigem "Bammel" verfolgten wir die Begleitung eines riesigen Blauwales, viel länger als das Schiff und nur mit 1 Meter Seitenabstand über mehrere Stunden.

Andächtig still haben wir unser Deck allerlei bunten Ueberfliegern zum Ausruhen zu Verfügung gestellt, tage- und nächtelange Spinnakerkurse (auch fliegen kann nicht schöner sein) genossen und auch einige sehr harte Kreuzkurse in Erinnerung. Das imposante Erlebnis im Auge eines Wirbelsturmes können wir heute aus eigener Erfahrung beschreiben und keine/r der Dabeigewesenen möchte es missen. All das hat die Seetüchtigkeit des Schiffes eindrucksvoll bewiesen und bestätigt, dass die Funktion und Belastbarkeit der Beschläge eben wichtiger sind als eine glänzende Aussenhaut und immer polierte Reeling.

Die Uebungsschrammen am Rumpf, herrührend von nicht immer ganz geglückten Uebungs- Hafenmanövern der Törngäste und Schüler, trägt das Schiff heute mit grossem Stolz, hat es doch wesentlich zur Seetüchtigkeit vieler angehender Skipper beigetragen. Ich werde diese Zeichen deshalb nicht auspolieren.

Nun aber freue ich mich, wieder in "meinem" DALMATIEN zu kreuzen, meinem erklärten Lieblingsrevier, sozusagen meiner Wahlheimat wo ich jeden Stein kenne. Endlich wieder den Anker in lauschigen Buchten fallen lassen, die Skampis direkt vom Fischerboot beziehen, "lueget vo Bärge und Tal" zusammen mit einheimischen Fischern singen, deren Text aller- dings nicht von Bergen sondern von der See handelt, - zusammen mit Klosterfrauen und Mönchen, Einheimischen und Turisten, textilfrei sich im Sand der Insel Susak wärmen, aus selbst vom Felsen gepflückten Muscheln hergestellte Spaghetti-Sugo geniessen und nach lautstarkem Disput mit dem Hafenmeister von Krk über die zu hohen Hafentaxen mit ihm einen Slivovica genehmigen gehen, kurz – wieder "zu Hause sein" ...... und all das mit EUCH zusammen geniessen, neue Bekanntschaften auch mit den wirklich liebenswerten Kroaten- sprich Dalmatiern- zu knüpfen und natürlich SEGELN.... darauf freue ich mich.

Ausserdem verspreche ich Euch weiterhin meinem Hobby, so zu kochen dass keine/r jemals auf meinen Törns abnehmen "muss", treu zu bleiben und auch die härtesten Meilen- fresser-Törns so zugestalten, dass alle glauben auf einem gemütlichen Ferientörn zu sein.

Herzlich, www.aquarius-atlantis.ch - Rolf